Musik und Rhythmus finden ihren Weg zu den geheimsten Plätzen der Seele. Platon (427 - 348/47 v. Chr.)

Die genaue Besetzung   Andere Orchesterarten   Die Position des Zuhörers im Konzertsaal   Die Instrumente  Arten von Kompositionen  FAQ  Was es beim Konzert zu vermeiden gilt  Aus einem Interview mit Alfred Brendel


Wer ins Konzert geht, möchte es genießen, sich entspannen, aber auch etwas sehen. Das ist aber manchmal etwas schwierig.

Auf dieser Seite soll der Aufbau eines klassischen Symphonieorchesters beschrieben werden. Daneben wird eine Hilfestellung zur richtigen Wahl des Sitzplatzes im Konzertsaal gegeben, denn wer kennt nicht die Situation: Man sitzt im Konzert und kann den Solisten, von dem man nun schon so viel gehört hat, überhaupt nicht sehen.

Auf den ersten Blick sieht man in einem Symphonieorchester relativ viele verschiedene Instrumente auf engstem Raum versammelt. Das ganze ist übrigens wirklich ziemlich unbequem.
Aber bei genauerem Hinsehen kann man schon Violinen, Bässe und Bläser unterscheiden.

Also (Rau-Einteilung): vorne: Streicher. Violinen links, Bässe (Celli, Kontrabässe) rechts. Dazwischen sitzen, relativ unauffällig, die Bratschen (Viola). Übrigens kann man durch einen kleinen Trick ganz einfach Bratschen von Geigen unterscheiden; Wenn man den Teil des Bratschenkorpus betrachtet, der auf der Schulter aufliegt, so fällt auf, dass er größer ist als der Kopf des Bratschisten. Dieser Teil der Violine ist stets kleiner als der Kopf des Spielers. Hinten: Bläser. Holzbläser vor den Blechbläsern (weil Blechbläser lauter sind als Holzbläser).

Merke: Links sitzen die hohen Stimmen, rechts die tiefen. Genauso ist übrigens auch die Anreihung der Stimmen in Chören.

Die genaue Besetzung (Grundmuster, das von Symphonie zu Symphonie unterschiedlich sein kann):

Streicher (von links nach rechts):
   1.Violinen - 2.Violinen - Bratschen - Violoncelli - Kontrabässe
   Die erste Geige ganz links außen neben dem Dirigenten ist der/die Konzertmeister/in.

Hornisten (hinten) und ein Fagott (Mitte) Die relativ handlichen Geigen (hinten) unterscheiden sich deutlich von den größeren Bratschen (vorne).

Bläser (von links nach rechts und hinter den Streichern beginnend)
   1.Reihe: (Harfe) - Querflöten - Oboen
   2.Reihe: (Klavier) - Klarinetten - Fagotte
   3.Reihe: Hörner
   4.Reihe: Trompeten - Posaunen - Tubas
   5.Reihe: (Schlagzeug) - Trommeln (Timpani) - Glockenspiel

Harfe, Klavier und Timpani bilden die sogenannte "Percussion", sind also Schlaginstrumente, die den Hintergrund bilden. Sie werden nicht bei jedem Stück gebraucht, und nur stehen dann auch nur beim Einsatz da.

Wenn ein Chor mitsingt, steht der immer ganz hinten, noch hinter den Bläsern. Aus akustische und optischen Gründen stehen sie auch meist etwas erhöht, auf einer extra Ebene.

Eine schöne Webseite mit mehr Informationen und einem interaktiven Besuch des Orchesters gibt es unter www.chicagosymphony.org.

Solisten
   Stehen immer vorne, links neben dem Dirigenten. Ohne Dirigent (z.B. in gewissen Kammerorchestern): in der Mitte.
Das bedeutet, dass bei einem Klavierkonzert das Soloklavier natürlich auch ganz vorne neben dem Dirigenten steht. Auch bei Kantaten u.ä. stehen die Solisten vorne (auch wenn der Rest des Chores sich weiter hinten befindet).

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Andere Orchesterarten:

Philharmonisches Orchester
   Hmmm, ja, also manche Leute behaupten ja, Philharmonische Orchester seien kleiner als Symphonieorchester. Andere auch nicht. Ich glaube, die Tatsache, ob ein Orchester ein philharmonisches oder ein symphonisches ist, hängt vom Geschmack und Ermessen des Namensgeber ab. Die Besetzung ist somit auch die gleiche.

Kammerorchester
   Die Größe kann sehr variieren, ungefähr zwischen zehn und zwanzig Musikern, die Besetzung entspricht eigentlich dem Symphonieorchester, allerdings fehlen oft große Teile der (Blech)Bläser.

Reine Blasorchester
   Die Größe und Zusammensetzungen variieren erheblich, es wird meist unterschieden unter symphonischen Blasorchestern (nur Blasinstrumente, die auch im Symphonieorchester vorkommen) und "normalen" Blasorchestern (hier können auch andere Bläser wie z.B. Saxophone, Flügelhorn oder Kontrabassklarinetten mitspielen). Es gilt immer noch die Faustregel: hoch links, tief rechts. Holz vorne, Blech hinten.

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Die Position des Zuhörers im Konzertsaal

Der Klang eines Orchesters hängt zu einem großen Teil vom Konzertsaal und dessen Akustik ab. Aber auch der Sitzplatz macht einiges aus, und außerdem möchte man schließlich auch was sehen.

Es ist mir hier allerdings völlig unmöglich, genaue Angaben zu jedem Konzerthaus in Deutschland zu machen. Es liegt mir auch völlig fern, einzelne Philharmonien herauszunehmen und sie ob ihrer beschissenen (sorry!) Akustik zu erwähnen. Deswegen gehe ich eher nach Generellem, z.B. dem besten Platz bei einem Solokonzert (der einem bei einer schlechten Raumakkustik freilich auch nicht viel weiterhilft).

1. Wer generell lieber Bässe hört als quietschende Geigen, der setze sich (das sollte beim Kartenkauf übrigens auch angegeben werden) vom Zuschauerraum gesehen logischerweise nach rechts. Umgekehrt ebenso.

2. Wenn ein Soloinstrument mit einem Symphonieorchester spielt, kann man das - besonders wenn es sich um Pianisten handelt, die hinter ihrem Flügel sitzen - von den Sitzen ganz rechts im Konzertsaal aus nicht sehen. Wer also wegen eines besonderen Solisten ins Konzert geht, den er auch sehen will, bestehe beim Kartenkauf auch Sitze in der Mitte bis linke Seite. Die Akustik dürfte aber auf beiden Seiten die gleiche sein.

Für das Kammerorchester gilt im Prinzip das selbe, allerdings ist es ja doch etwas übersichtlicher und somit sieht man den Solisten normal von jedem Platz aus.

Nun kommen wir zu ein paar speziellen Fällen: Solovioline bzw. Soloklavier.

   Nehmen wir an, der Pianist ist der einzige Musiker auf der Bühne. Das Klavier wird etwa in der Mitte stehen, und zwar so, dass der Pianist mit dem Gesicht von den Zuschauern gesehen nach rechts schaut. Das ist immer so. Es folgt: wer dem Pianisten ins Gesicht schauen will, der reserviere sich Sitze in der Mitte bis rechts. In Konzertsälen, in denen die Zuhörer im Kreis um die Bühne verteilt sitzen (z.B. Philharmonie Köln), gilt natürlich entsprechendes.

   Ähnlich sieht es beim Violin- (oder auch Gesangs-) Solisten aus; Im Prinzip kann er sich, wenn er alleine auf der Bühne steht, drehen, wohin er will. Er (der Violinist) wird sich aber dennoch nach rechts drehen. Das hat einen Grund: Als erste Violine in einem Orchester ist er es gewohnt, links zu sitzen und nach rechts zu schauen. Auch wenn er als Solist neben dem Dirigenten steht, ist er nach rechts, zum Dirigenten gedreht. Das ganze hat also mit der Psyche des Spielers zu tun. Zusatz zum Solokonzert mit einer Barockvioline: Barockinstrumente sind leiser als moderne Instrumente. Ein einzelnes Barockinstrument in einer Philharmonie zu spielen bringt dem Zuhörer denn auch herzlich wenig.

   Haben wir nun eine Kombination, also z.B. Violine mit Klavier, ist diese Rechtsorientierung des Violinisten sogar fast schon zwingend; Denn das Klavier steht wieder auf der rechten Hälfte der Bühne, normal in gewohnter Stellung nach rechts gedreht. Der Violinist steht links davon und logischerweise zum Klavier gedreht, schließlich spielt er mit dem Piano zusammen und kann dem Pianisten unmöglich auf Dauer den Rücken zudrehen. Es gibt eine Kommunikation zwischen den beiden Spielern und für diese Kommunikation richten sich Pianist und Violinist aus.

Also: Die Kommunikation zwischen den einzelnen Musikern auf der Bühne, egal, ob im Orchester oder als Duett, oder Quartett, spielt die zentrale Rolle bei einem Konzert. Deswegen ist es auch unerlässlich vor jedem Spiel zusammen zu stimmen, was folglich auch einem Gemeinschaftssinn und nicht nur einem gemeinsamen 'A' aller Geigen dient. Das Anfangs A wird normalerweise von der ersten Oboe gegeben.

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Die Instrumente in einem Symphonieorchester

• Streicher
   Violine, Viola, Violoncello, Kontrabass

• Holzbläser*
   Querflöte**, Klarinette, Oboe, Fagott

• Blechbläser
   Trompete, Posaune, Horn, Tuba

• Percussion
   Harfe, Klavier, Schlagzeug, Timpani, Glockenspiel

* Holzblasinstrumente müssen sich nicht unbedingt komplett aus Holz zusammensetzen; Das Entscheidende ist das Mundstück, das bei (fast**) allen Holzblasinstrumenten aus Holz oder Schilf, bei Blechblasinstrumenten immer aus Blech ist. Daraus folgt, dass beispielsweise auch das Saxophon ein Holzblasinstrument ist. Das Saxophon wird aber nur von sehr wenigen und meist modernen Komponisten in ihre Werke miteingebunden, z.B. von Georges Bizet in seiner Arsénienne Suite und natürlich von Richard Strauß.

** Die Querflöte, die komplett aus Blech besteht, zählt zu den Holzblasinstrumenten, weil sie früher, als sie frisch erfunden worden war, komplett aus Holz bestand. Ihre heutige Form aus Blech lässt sie deutlich lauter klingen, während man die barocke Querflöte in der dritten Reihe schon kaum mehr hören konnte.

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Arten von Kompositionen

Sonate: Komposition für ein einzelnes Instrument oder mit Klavier-Begleitung.

Variation: Eine Variation bezieht sich auch ein bereits vorhandenes Werk. Brahms Paganini-Variationen beispielsweise variieren ein Thema, das Paganini komponierte (das Thema eines Satzes ist die Grund-Melodie). Oftmals wird die Variation auch für ein anderes Instrument geschrieben als das Ursprüngliche.

Konzert: Ein Soloinstrument (oder auch zwei) spielen mit Orchester - das Konzert ist sozusagen dr große Bruder der Sonate. Die meisten Konzerte werden dann auch "Klavierkonzert" oder "Violinkonzert" genannt.

Symphonie: Komposition für Orchester, bei der normalerweise kein Solist heraussticht, sondern nur das Orchester musiziert. Die meisten Symphonien werden von großen Symphonie- oder Philharmonie-Orchestern gespielt, d.h., man sitzt ca. 100 Musikern gegenüber. Anders ist dies beim Kammerkonzert - hier spielen nur eine Hand voll Musiker, Trios, Quartette bis hin zu Nonetten oder Kammerorchestern.

Requiem: Eine Totenmesse, oft mit Orgel, immer sehr traurig, viel in moll und immer mit kirchlichen Themen. Viel Gesang, meistens leichte (Palestrina) bis starke (Brahms) Musikbegleitung.

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FAQ - Oft gestellte Fragen zum klassischen Konzert - Was jeder schon immer wissen wollte, aber nie zu fragen wagte...

Welches Instrument gibt den Ton am Anfang, bevor alle anderen Instrumente zu stimmen beginnen?
Bei einem normalen Orchester ist das die Oboe, die übrigens ein a spielt. Nach diesem a stimmen die Streichinstrumente und einige Blasinstrumente.

Was soll das Stimmen der Instrumente am Anfang des Konzertes?
Auch wenn die Instrumente kurz vorher schon gestimmt wurden, ist es durchaus angebracht, sie auf der Bühne noch einmal nachzustimmen. Instrumente, besonders Streichinstrumente verstimmen sich schnell bei einem Temperatur- oder Feuchtigkeitswechsel in ihrer Umgebung, der ja durch das Publikum im Saal ausgelöst werden kann. Außerdem baut dies auch eine Art Gemeinschaftsgefühl im Orchester auf, alle stimmen ihr Instrument aufeinander ab und spielen dann als Einheit. Damit ist das Stimmen der Instrumente vor dem Konzertbeginn auch ein psychologisch wichtiger Vorgang.

Warum kommt der Dirigent zu Beginn des Konzertes immer als letztes?
Das ist so Brauch im Musikgeschäft, der Dirigent als Leiter des Orchesters kommt erst, wenn das ganze Orchester sitzt und löst damit auch den Applaus aus. Würden die Leute anfangen zu klatschen, wenn die Orchestermusiker hereinkämen, müssten sie bei durchschnittlich hundert Musikern ganz schön lange applaudieren! Es könnte auch passieren, dass sie dann irgendwann aufhören, zu klatschen und dann ein Teil des Orchesters mit Applaus, der andere Teil ohne Applaus empfangen würde, was nicht besonders gentleman-like wäre. Also nimmt der Dirigent den Applaus in Empfang. Spielt ein Solist, hat ihn der Dirigent im Schlepptau, ist also er sozusagen der Höhepunkt. Trotzdem kommt dem Dirigenten ein besonderer Stellenwert zu.

Was ist eine Kadenz und woran erkenne ich sie im Konzert?
Kadenzen gibt es zweierlei. Ersten bezeichnet eine Kadenz der eine angestrebte Zieltonart herbeiführende Abschluß einer Harmoniefolge (www.klassik.com). Zweitens, und unser Thema, das Konzert, betreffend, ist eine Kadenz ein Teil in einem Konzert für ein Soloinstrument, in dem der Solist ohne Begleitung des Orchesters seine eigenen Variationen über das Thema des Satzes spielt. Allerdings komponieren nicht alle Solisten ihre eigenen Kadenzen, sondern nehmen die anderer großer Solisten, Geiger z.B. greifen oftmals die Solokadenzen von Fritz Kreisler und Joseph Joachim auf. Berühmte Kadenzen gibt es bei Violinisten im Beethoven und im Shostakovich Violinkonzert, bei Pianisten vor allem bei den Klavierkonzerten von Rachmaninov und weiteren russischen Komponisten. Eine besonders originelle Kadenz fügte der französische Geiger Gilles Apap in das Violinkonzert von Mozart ein, die allerdings viele konservative Kritiker eher entsetzte - eine Mischung aus Rock-Opera und Indi-Style Meditationsgesang.

Was passiert am Schluss eines Konzerts?
Am Schluss des Konzerts geht der Dirigent hinter die Bühne, wird vom applaudierenden Publikum wieder auf die Bühne geholt, geht wieder, kommt wieder, das Orchester sitzt solange unbeteiligt herum, und erst dann gibt es eine Zugabe. Dieser Vorgang bleibt dem Konzertbesucher selten erspart. Das ganze Orchester kann natürlich unmöglich jedes Mal hinter die Bühne gehen und wieder kommen. In der Klassik gilt das Prinzip Bescheidenheit. Der Dirigent zeigt mit seinem Abgang zunächst einmal, dass er nicht erwartet, noch zu einer Zugabe gebeten zu werden (die obligatorisch ist). Das Publikum reagiert mit vermehrtem Applaus und "zwingt" den Dirigenten zurück auf die Bühne. Das selbe bei den Solisten. Ein schönes Beispiel ist ein Konzert des russischen Pianisten Yefgenij Kissin, das vor zwei Jahren im Fernsehen lief. Seine Zugaben nahmen etwa eine dreiviertel Stunde in Anspruch, wobei er nach jedem Stück die Bühne verließ, um dann vom Publikum erneut herausapplaudiert zu werden. Der Applaus der Zuhörer zeigt, dass es von den Künstlern des Abends nicht genug bekommen kann, und ist auch in den allermeisten Fällen ganz freiwillig (es spielen selten Künstler, die das Publikum nicht hören möchte;-)).

Braucht ein Orchester eigentlich einen Dirigenten?
Wenn man einem Orchester beim Spielen zusieht, erscheint es oft so, dass das Orchester arbeitet und der Dirigent in gewisser Weise vorne am Pult herumhüpft, offenbar ohne besondere Bedeutung. Tatsächlich aber erfüllt der Dirigent eine sehr wichtige Aufgabe: Während der Proben hat er an vielem etwas auszusetzen, bestimmt die Tempi (das Spieltempo der einzelnen Sätze), passt auf, dass alle Musiker und Instrumente zu hören sind und achtet auch auf Akzente. Ein Orchester kann ein Stück zweimal spielen, jedes Mal mit einem anderen Dirigenten, und es wird sich jedes Mal anders anhören, denn Komponisten legen zwar die Partitur vor, trotzdem kann jedes Orchesterstück unterschiedlich interpretiert werden.

Darüberhinaus verständigt sich der Dirigent für die Zuhörer unmerklich mit dem Orchester - anhand seiner Händer kann er dem Orchester kurzfristig die Widerholung eines Abschnittes auftragen, ohne dass das Spiel unterbrochen wird. Soetwas ist zum Beispiel wichtig, wenn ein Solist begleitet wird, der aus irgendeinem Grund aus dem Rhytmus kommt, oder aus Versehen einen Abschnitt des Satzes überspringt (so etwas kann bei langen Konzerten schon mal vorkommen), und das Orchester nun auch diesen Teil überspringen muss, damit Solist und Orchester nicht unterschiedliche Konzertteile spielen. Ein lustiges Beispiel hierfür ist ein Auftritt des russischen Geiger-Genies Vadim Repin, der als Zugabe ein kurzes Stück von Paganini spiele - ein irrsinnig schwieriges Repertoire. Mittendrin kam er heraus und fand den richtigen Anschlag nicht mehr. Das Orchester spielte immer wieder die Stelle an, an der er einsteigen konnte. Repin derweil stand grinsend neben dem Dirigenten und suchte nach dem richtigen Griff, während das Publikum Tränen lachte. Solche Zwischenspiele tuen einem Solisten der Klasse Repins keinen Abbruch, zumal sie mit souveränem Auftreten und einem humorvollen Publikum leicht überspielt werden können. Wenn ein Solist mitspielt, kommt dem Dirigenten noch der Beruf des Verhandlungspartners des Solisten zu; Gemeinhin bestimmen Solisten, wie das Orchester sie begleiten soll. Der Dirigent hört sich an, was der Solist will, und bemüht sich dann, dies dem Orchester klar zu machen. Manchmal aber verstehen sich Solist und Dirigent auch nicht, so hat z.B. Jasha Heifetz einige Male Konzerte mit Orchester abgesagt, weil er sich mit dem Dirigenten über die Tempi nicht einig werden konnte. Der Dirigent genießt also Autorität und bestimmt im Orchester.

Wann darf ich klatschen?
Geklatscht wird bei Konzerten recht viel, jedoch nicht zwischen den Sätzen eines Stückes, nicht spontan und selten mit Begeisterungsschreien (es gibt Ausnahmen). Die meisten Symphonien sind dreisätzig, Konzerte (für Orchester mit Soloinstrument) viersätzig. Steht meistens auch im Programm. Ansonsten: warten was der Rest macht, die älteren Leute im Publikum wissen, wann sie klatschen müssen. Geklatscht wird dann: Zu Beginn, wenn das Orchester geschlossen auf die Bühne kommt. Wenn der Konzertmeister auf die Bühne kommt (erster Geiger links neben dem Dirigentenpult). Wenn der Dirigent kommt. Wenn der Solist kommt. Dann folgt das Konzert. Am Ende jedes Stücks wird geklatscht. Und schließlich am Ende. Hierbei ist zu beachten, dass von jedem Orchester oder Künstler mindestens eine Zugabe verlangt wird. Spezifisch in Deutschland ist außerdem auffällig, dass nicht sofort nach Beendigung des letztens Satzes eines Konzerts geklatscht wird. Das Publikum lässt noch ein paar Sekunden Stille verstreichen, um den Ton ausklingen zu lassen - anders in New York, wo das Publikum weltberühmt ist dafür, besonders laut zu husten, im Programm zu blättern und noch vor Ende des Konzerts den Saal zu verlassen - oder auch das Publikum der Londoner Proms, das während der Vostellung auf Picknickdecken sitzt und isst, trinkt und sich unterhält.

Wer bekommt nach dem Konzert Blumen?
Nur der Solist und selten der Dirigent, jeweils einen. Möglicherweise noch die Damen an den ersten Geigenpulten. Alles andere gehört sich nicht. Es ist nicht üblich, Blumen, Briefchen oder Tierchen auf die Bühne zu schmeißen.

Warum sitzen Orchester eigentlich?
Früher, eigentlich bis zum Ende des 19. Jahrhunderts standen die meisten Orchester noch. Aber aus Bequemlichkeitsgründen, aus Platzgründen und aus Gründen der Solidarität mit den Celli, die ja nicht stehen können, wurde das Sitzen dann eingeführt. Unter Stalin wurde übrigens wieder gestanden. (Unter Stalin wurde auch aus Gründen des Kommunismus der Dirigent abgeschafft).

Sitzen die Musiker in einem Orchester nicht ziemlich dicht aufeinander?
Ein eindeutiges und leidgeprüftes: ja. Man muss schon darauf achten, besonders bei den Geigen, sich nicht gegenseitig anzustoßen und ein Orchester ist definitiv nichts für Menschen mit Klaustrophobie. Große, professionelle Orchestermusiker sind natürlich aufeinander eingespielt und kennen ihre Ausmaße. Aufgrund der relativen Größe der meisten Orchester wäre es nicht durchführbar, die Musiker einfach weiter auseinander zu setzen. Dies würde möglicherweise auch dem Gemeinschaftsgefühl schaden.

Wo liegt der Unterschied zwischen einem modernen und einem Barockorchester?
Die modernen, "normalen" Orchester bestehen zumeist aus etwa hundert Musikern, es geht also richtig die Post ab, und die Musikern spielen auf modernen Instrumenten. Barockorchester sind bedeutend kleiner meist um die fünfzehn Musiker, die auch Barockinstrumente spielen, also bei den Geigen fehlen z.B. der Nacken- und Kinnhalter und die Saiten sind aus Darm. Anstatt eines Klaviers spielt ein Cembalo. Der Ton ist anders als der eines Pianofortes und man muss ihn mögen. Es fehlen viele Blasinstrumente und natürlich spielen die Musiker Barockstücke. In einem Barockorchester gibt es meistens keinen Dirigenten.

Wieso benützen viele Pianisten Pianoforte für Stücke, die eigentlich für Cembali geschrieben wurden?
Für Cembali schrieben sämtliche Barockkomponisten, also z.B. Bach, Händel, etc. Cembali klingen seltsam, und anders als Pianoforte sind sie viel leiser. Man kann sie eigentlich nur bei Kammerkonzerten spielen, und selbst da hört man in der dritten Reihe oftmals nicht mehr sehr viel. Ich persönlich finde den Klang von Cembali auf Aufnahmen mit einem anderen Instrument zusammen außerdem etwas aufdringlich, nicht wegen der Lautstärke, sondern vom Klang. Ein weiterer Grund ist, dass man sich auf Cembalo als Pianist erst einmal einspielen muss. Für große Pianisten ist das kein Problem, aber alle anderen bevorzugen ein Pianoforte. Es gibt übrigens ein Sprichwort, das sagt: Bach hätte für Pianoforte geschrieben, und nicht für Cembalo, wenn er schon eins gehabt hätte. Leider wurde das Pianoforte erst Mitte des 18. Jahrhunderts erfunden, Beethoven soll ganz begeistert gewesen sein. Aber inzwischen nehmen viele Pianisten, darunter Glen Gould mit seinen berühmten Goldberg Variationen, auch Barockmusik mit Pianoforte auf, nach dem Motto: Warum Cembalo wenn es ein Pianoforte viel besser tut?

Darf ich in Jeans in ein Konzert?
Bei einem Konzert gibt es keine direkte Kleiderordnung. Natürlich ist ein Konzert keine Disko und besonders in den oberen Preiskategorien wird angemessenen Kleidung erwartet, dennoch ist man tolerant und eine Jeans und ein gepflegtes T-Shirt gerade bei Jugendlichen dürften kaum größeres Aufsehen erregen. Bei Konzerten in Kirchen im Herbst/Winter sollte man jedoch auch an die Zweckmäßigkeit der Kleidung achten, da Kirchen schwierig zu beheizen sind.

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Was es im Konzert zu vermeiden gilt

Diese drei Punkte mögen etwas starr und gezwungen wirken. Das Klassikkonzert hat seine eigenen Regeln, aber damit eben auch sein eigenes Ambiente.

• Handy Geklingel. - Ein klingelndes Handy im Publikum ist wirklich sehr unfair und unhöflich den Musikern gegenüber, die sich ja für das Publikum anstrengen und sich dafür 100 prozentig konzentrieren müssen. Also: Handy vorher aus.

• Verfrühtes Aufstehen. Bei Zugaben wird sitzengeblieben (außer in New York). Bei jedem Konzert wird vom Orchester oder Ensemble oder Solisten zumindest eine Zugabe verlangt - das ist eine Art festgeschriebenes Gesetz und gehört zum guten Stil. Diese Zeit sollte miteinkalkuliert werden. Und schön mitklatschen.

• Mittendrin klatschen. Geklatscht wird im Konzertsaal immer nur am Schluss eines ganzen Stückes, also einer Symphonie oder Konzertes. Am Ende eines einzelnen Satzes wird nicht geklatscht, auch wenn das Dargebotene sensationell war. Besonders der letztere Punkt wird von vielen Leuten falsch gemacht, die meist einfach nur höflich sein wollten. Für das Orchester, den Dirigenten und/oder den Solisten kann Applaus mittendrin ziemlich störend sein und die Stimmung bzw. Spannung zerstören, die gerade aufgebaut wurde. Gleichfalls gilt das natürlich auch für besonders schwierige Passagen (z.B. Kadenzen) innerhalb eines Stückes. Was beim Jazzkonzert mit zur Kultur gehört, gehört sich im Klassikkonzert überhaupt nicht - spontanes Klatschen während des Stücks.

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Aus einem Interview mit dem Pianisten Alfred Brendel des Klassikmagazins KlassikAkzente ©www.klassikakzente.de

Könnten Sie wählen, in welcher Zeit hätten Sie gelebt?
In der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts, als Zeitgenosse von Haydn, Mozart, Goya, Diderot, Sterne, Lichtenberg.

Welches war Ihre musikalsich aufregendste Begegnung?
Das letzte Konzert des sterbenden Bruno Maderna, in dem ich Solit war.

Welchen Komponisten der Vergangenheit würden Sie bitten, ein Stück für Sie zu komponieren?
Schubert. Ein Klavierkonzert.

Welche Begegnung würden Sie in Ihrer Fantasie gern herbeiführen?
Beethoven und Liszt vierhändig.

Wie sähe Ihr ideales Publikum aus?
Jung, mittel und alt. Ohne Husten, Handys und Hörgeräte. Und außer sich vor Begeisterung.

Ihr musikalisches Credo?
1. Belebe die Werke, ohne ihnen Gewalt anzutun (Edwin Fischer)
2. Alles soll so einfach wie möglich gemacht werden, aber nich einfacher. (Albert Einstein)

 

Letztes Update 6/09. www.cecilhanibal.de 2000-2009